AKW sind gefährlich

Unfälle, Abfälle und extreme Abhängigkeiten

  • Selim EgloffResponsable Énergie nucléaire

1. September 2026

Unfälle, Abfälle und extreme Abhängigkeiten machen AKW zu einer Gefahr – einer Gefahr, die vermeidbar ist.

Trotz technischer Massnahmen bleiben schwere Unfälle für alle heute verfügbaren AKW-Typen möglich. Neben technischen Fehlern gehören böswillige Einwirkungen zu den Ursachen, die massive Freisetzungen radioaktiver Stoffe verursachen können. Im dicht besiedelten Mitteleuropa wären von einem schweren AKW-Unfall Millionen von Menschen betroffen – mit astronomischen Gesamtkosten, die bei weitem nicht versicherbar sind.

Aber Gefahren drohen auch anderswo: Die Atomtechnologie, ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt, ist nur in wenigen Staaten verfügbar – ebenso wie die Technologie zur Brennstoffherstellung. Bis heute bleiben starke Verbindungen zwischen militärischen und nichtmilitärischen Atomenergiebereichen bestehen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat es 2020 wie folgt formuliert: «Sans nucléaire civil, pas de nucléaire militaire, sans nucléaire militaire, pas de nucléaire civil.» Zwei Drittel aller Atomreaktoren stehen in Staaten mit einem militärischen Atomprogramm, viele weitere konnten nur dank Firmen und Fachwissen in Betrieb gehen, die auch militärische Zwecke verfolgen.

Auch Schweizer AKW bleiben für ihren Betrieb von Staaten abhängig, die über die nötigen Rohstoffe und Industrie verfügen, um Brennstoff für die Kraftwerke zu liefern. Wegen langfristigen Verträgen bleiben AKW-Betreiber oft über viele Jahre von bestimmten Lieferketten abhängig und finanzieren dadurch über die ganze Betriebsdauer Unternehmen wie Russland oder Kasachstan.

Die hochradioaktiven AKW-Abfälle werden zuerst während Jahren zwischengelagert und irgendwann in geologische Tiefenlager verbracht. Das erklärte Ziel davon ist, dass radioaktive und andere Schadstoffe während einer Million Jahre nur «in nicht schädlicher Menge» in den menschlichen Lebensraum geraten.

Dieser Zeitraum ist abstrakt und für menschliches Ermessen nicht vorstellbar. Die Grössenordnung des Problems lässt sich aber erahnen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Menschheit rund 300’000 Jahre alt ist. Während zwei Generationen Strom aus einem AKW nutzen können, muss die Menschheit länger vor den daraus entstandenen Abfällen geschützt werden, als sie bisher existiert. Umgekehrt müssen auch die Abfälle vor den Menschen geschützt werden. Denn nicht nur Umwelteinflüsse, sondern auch böswilliger Zugriff oder zivilisatorische Entwicklungen können ein geologisches Tiefenlager bedrohen.

Auf eine Technologie zu setzen, die Mensch und Umwelt von heute bis in die ferne Zukunft einzigartigen Risiken aussetzt, ist unvernünftig. Erst recht, weil sichere, günstige und viel schneller einsatzfähige Alternativen verfügbar sind.