Uralt am Netz, swiss made
Stromsparen lohnt sich für die Umwelt und fürs Portemonnaie. Heute wird in der Schweiz ein Drittel verschwendet: durch wartende Stromsparen lohnt sich für die Umwelt und fürs Portemonnaie. Heute wird in der Schweiz ein Drittel verschwendet: durch wartende

Es drohte eine Überhitzung der Aare durch das Reaktorkühlwasser und das Ökosystem musste geschützt werden. Dies ist bei Weitem nicht die grösste Gefahr für Mensch und Umwelt, die vom ältesten noch laufenden AKW der Welt ausgeht. Und sie nimmt laufend zu.
Dass es nun für das archaische AKW Beznau, mit den ältesten zwei Reaktoren der Welt, endlich ein definitives Abschaltdatum gibt, sind gute Nachrichten. Nicht gut ist, dass diese Abschaltdaten (2032/2033) noch fast ein Jahrzehnt auf sich warten lassen. Eine gefährlich lange Zeit, in der die bestehenden Defizite zunehmen. Noch dazu ist unklar, ob und welche Nachrüstungen bis zum definitiven Abschalten überhaupt noch vorgenommen werden.
Die Betreiberin Axpo hat kommuniziert, bis dahin noch 350 Millionen Franken einzusetzen. Das mag nach grossen Investitionen klingen, aber mehr als das nötige Minimum ist das – wenn überhaupt – nicht. Fraglich ist, ob damit die auferlegten Nachrüstungen aus der letzten Sicherheitsüberprüfung überhaupt gedeckt werden können. Nicht einmal der Bundesrat kann sagen, welche Sicherheitsmassnahmen mit diesem Betrag abgedeckt werden, wie er in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage konstatiert.
AKW Beznau ist unheilbar krank
Die Funktionsfähigkeit von Teilen eines AKW lassen mit der Zeit nach, beispielsweise, weil Material, das unter radioaktiver Strahlung steht, versprödet. Die Alterung kann zum Teil durch Ersatz der gealterten Teile behoben werden. Das ist aber nicht immer möglich. Zum Beispiel beim Reaktordruckbehälter – der Umhüllung des Reaktors mit den Brennelementen. Im Fall Beznau hat sich schon vor Jahren herausgestellt, dass dieser Materialfehler und eine unerwartet hohe Strahlenversprödung in Grenzwertnähe aufzeigt.
Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hiess die umstrittene Sicherheitsüberprüfung dieser Risiken zwar gut, aber laut Untersuchungen des Öko-Instituts, einer europaweit führenden deutschen Forschungs- und Beratungseinrichtung für eine nachhaltige Zukunft, weisen die von der Axpo angewandten und vom ENSI bestätigten Verfahren grosse Unsicherheiten auf. Zudem sind die Resultate bedenklich.
Des Weiteren sind Korrosionserscheinungen am Containment (der Sicherheitshülle des Kernreaktors) bekannt und der Schutz der Systeme zur Brennelementlagerbeckenkühlung gegen Erdbeben und Überflutung ist unzureichend.

Nicht ausreichend vor Katastrophen geschützt
Das AKW Beznau, wie die meisten der heutigen europäischen Kraftwerkskonzepte, sind sicherheitstechnisch veraltet. So muss sich das in den 1960er-Jahren konzipierte Beznau zum Beispiel nicht an alle Sicherheitslehren halten, die aus dem Reaktorunfall in Three Mile Island (1979), den Nuklearkatastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) sowie dem Anschlag von 9/11 (2001; dieser galt zwar keiner Atomanlage, er zeigte aber auf, dass Grossraumflugzeuge als Waffe eingesetzt werden können) gezogen worden sind.
Militärische Angriffe auf ein Atomkraftwerk galten in der Atomsicherheit bisher als unwahrscheinlich und mussten folglich nicht berücksichtigt werden. Aber die Besetzung des ukrainischen AKW Saporischja durch die russische Armee (2022) und der Drohnenangriff auf die Schutzhüllen von Tschernobyl (2025) werfen ein neues Licht auf die heutigen Sicherheitsanforderungen. Ein AKW-Bau wie Beznau würde heute aus Sicherheitsgründen garantiert keine Bewilligung mehr bekommen.
So muss die Axpo jedes Mal, wenn das AKW Beznau wegen drohender Überhitzung der Aare ausser Betrieb genommen wird, den fehlenden Strom kurzfristig für viel Geld im Ausland einkaufen.
